Waldschutz – Bündnis von Mensch und Natur

Seit 1985 schützt die Stiftung 350 Hektaren Savannenwald, der zwei Familien gehört und Tobé heisst. Es werden Jungbäume gepflanzt und Wege angelegt, die im Falle eines Brandes als Feuerschneisen dienen. Anfänglich wurde Karin Ostertag von zwei, inzwischen altershalber verstorbenen Bodenbesitzern, unterstützt. Die nachfolgende Generation hat sich in einem Verein zusammengeschlossen, um den Waldschutz noch wirksamer zu betreiben. Heute gibt es eine Baumschule mit einheimischen, vom Aussterben bedrohten Arten, die von den jüngeren Familienmitgliedern unterhalten wird.

Der gesunde, energiegeladene Wald ergänzt die anderen Schwerpunkte der Stiftung – die Bienenzucht und die Bildung – sinnvoll. Dank ihm greifen die Tätigkeiten der Stiftung ineinander und stärken sich gegenseitig. 350 Hektaren Wald dürfen wachsen, geben Schatten und Kraft. Die Familienmitglieder schneiden die Wege frei, legen vor der Trockenzeit Feuerschneisen an und betreiben eine Baumschule mit selten gewordenen einheimischen Bäumen, die sie pflanzen und unterhalten. Diese Arbeiten übernehmen hauptsächlich junge Erwachsene, die dafür entlöhnt werden. Die Frauen sammeln Totholz für ihre täglichen Arbeiten, etwa zum Kochen. Heilerinnen und Heiler finden hier Pflanzen für ihre Medizin. Die Bienen suchen morgens und abends den Nektar der duftenden Blüten. Dank dem Tobéwald erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass ein Wald Leben bringt und erhält. So profitieren alle vom Waldschutz – sofern sie sich bei der Besitzerfamilie vorher anmelden. Bei jährlichen Ritualen werden die Ahnen gerufen. Die Familienmitglieder sitzen zusammen, und Jung und Alt tauscht sich dabei aus. Die Ritualplätze im Wald tragen dazu bei, die Kultur zu bewahren – auch das stärkt den Waldschutz. Wächter, die im Wald leben, kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden: Keine Fallen? Keine Schüsse? Keine Baumsägen? Keine Felder? Kein Feuer? Keine Lastwagen, die die Wege benützen?

Zum Waldschutz gehören auch Exkursionen mit den Familien der Grundbesitzer in gemeinschaftlich bewirtschaftete Wälder anderer Regionen Benins. Solche Erfahrungen ermöglichen es jungen Menschen, Neues ausserhalb ihres Dorfes zu entdecken und zu verstehen – eine wichtige Voraussetzung, um eigene Visionen für ihre Zukunft entwickeln zu können.

Ausweitung der Waldschutzprojekte auf zwölf Wälder in Mittel-, Süd- und Nordbenin: der Tobéwald dient als Vorbild

Dank dem langjährigen Engagement ist der Tobéwald heute in gutem Zustand – sowohl in Bezug auf seine Artenvielfalt, die Altersstruktur der Bäume sowie dessen Dichte. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung für die getroffenen Schutzmassnahmen ist gross, nicht zuletzt dank der Bienenzucht und dem Unterricht an der Schule Ayeke und in der Sekundarschule.

Der gute Ruf des Tobéwaldes hat sich verbreitet und in anderen Regionen von Benin den Wunsch nach ähnlichen Projekten geweckt. Mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung konnte die Stiftung Tobé ab 2019 dem Anliegen nach Waldschutz im Zusammenspiel mit Bienenzucht und Bildung von Kindern im Primarschulalter in sechs anderen Wäldern Benins Folge leisten:

  • Okpeko in der Gemeinde Koko
  • Heiliger Wald der Affen in Kikélé
  • Baaba und Monkidjo in Idouya
  • Waldzone Gomi in Azraou
  • Heiliger Wald Sinatabé in Ina (einziger Wald ausserhalb der Yorubazone)

Alle diese Wälder und deren Besitzerfamilien kennt Karin Ostertag seit langem. Die Familien schützten ihre Wälder bereits vor Projektbeginn, in einigen gab es schon Bienenzucht. Der Fokus der Stiftung lag während dem Projekt auf der Stärkung der lokalen Organisationsstrukturen der Waldverwaltung, auf Sensibilisierung der Bevölkerung, sowie der Einführung von alternativen, einkommensschaffenden Aktivitäten. In allen sechs Wäldern wurden Bienenzucht, Baumschulen, Orangen-, Mango- oder Ölpalmenpflanzungen eingeführt. Dies erhöht sowohl die Akzeptanz des Waldschutzes in der Bevölkerung als auch dessen langfristige Finanzierung. Parallel dazu wurden in den angrenzenden Dörfern Schülerinnen und Schüler im Waldschutz unterrichtet, und lokale Radiosender verbreiteten Informationen zu den Wäldern.

Schon nach 3 Jahren waren deutliche Fortschritte sichtbar. Kleinere Wälder wie der heilige Wald aus Ina wurden wieder reich an Bäumen. In zehn Jahren wird daraus ein dichter Wald gewachsen sein. Zu seiner Erhaltung bewirtschaften die Mitglieder des Verwaltungsbüros 10 Bienenvölker, deren Honigertrag den Lohn für den Wächter finanziert. Auch der heilige Wald in Kikélé ist in den drei Jahren wieder zu einem richtigen Wald geworden. Auf Fusspfaden können dort seltene Colobos-Affen (Colobus vellerosus) beobachtet werden. Die Bodenbesitzer und Eco-Wächter haben zudem ausserhalb des Dorfes eine 150 Hektar große Fläche ausgesucht, um der zunehmenden Zahl an Affen zusätzlichen Lebensraum zu geben.

Finanziert wurde die erste Projektphase (2019–2022) von der Stiftung Drittes Millennium, der Stadt Zürich, der DEZA-Vertretung in Benin, der Gemeinde Herrliberg sowie privaten Spenderinnen und Spendern. Der Abschlussbericht der Projektphase 2019–2022 befindet sich hier (Bericht 2019–2022, Fotos zum Bericht 2019–2022).

Der sichtbare Erfolg des Projektes veranlasste bestehende und neue Partner dazu, eine 2. Phase von 3 Jahren (2022–2025) finanziell zu unterstützen. Diese erlaubte eine Erweiterung des Waldschutzes nach dem Vorbild des Tobéwaldes um weitere fünf, auf insgesamt zwölf Wälder.

  • Heiliger Wald Houinyehoueve in Houin
  • Kpobidon in Koko
  • Heiliger Wald Kpassè in Ouidah
  • Okouta Kobounan in Kikele
  • Igbodo in Sako

Auch regional fand eine Erweiterung statt: Die Projektwälder waren neu auf Nord-, Mittel- und Süd-Benin verteilt. Damit ist die Stiftung heute in ganz Benin besser bekannt. Wie bereits in der ersten Projektphase wurden auch hier alle Arbeiten der Stiftung von lokalen Mitarbeitenden in den Dörfern begleitet.

Die zweite Projektphase wird unterstützt von der Stiftung Drittes Millennium, der Stiftung Almatrust, dem Kanton Stadt Basel, den Gemeinden Herrliberg, Rüschlikon, Küsnacht, der Stadt Wädenswil, sowie privaten Spenderinnen und Spender.

Man hört einen Baum fallen, aber nicht den Wald, der wächst!